Reaktion auf das Schreiben von Canyon Adventure und Swiss Adventure vom 1. März 2008

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Arroganz die beiden Herren an den Ufern der Boggera auftreten (vgl. dazu diesen Blog-Eintrag). Es zeigt sich einmal mehr, dass zwischen Bergführern und der Fun und Aktion Industrie ein meilenweiter Graben klafft. Zwischen zivilisierten Menschen im Alltagsleben haben sich einige Grundregeln bewährt, die eine erfolgreiche Partnerschaft und Zusammenarbeit zementieren. Diese funktionieren auch in der Bergführer und Outdoor Szene: 1. Begrüssung, 2. Gegenseitige Abklärung der Absichten, 3. Lösungen finden für eine win - win Situation, 4. Schlussendlich das Wichtigste: Tun was man sagt man tut. Wer zum Empfang statt Begrüssung mit Befehlen „ die Tür ins Haus rennt“, muss sich über die Reaktionen nicht wundern.

Zur so genannten Ausgangslage in Cresciano: Was sehr beeindruckt ist, dass jemand die Verantwortung übernimmt für die holzfreien Pools und einwandfreien Haken. In sämtlichen übrigen Schluchten, das liest man in jedem Führer, sind die Einrichtungen auf eigene Gefahr und Einschätzung zu gebrauchen. Als Andreas und ich die Schlucht in der zweiten Hälfte der 90er Jahre im Rahmen vieler anderer Erstbegehungen in der Region entdeckt und begangen haben, setzten wir die ersten Haken. Wir haben sofort bemerkt, welch ein Schmuckstück wir gefunden hatten. Die darauf folgenden Jahre (2 bis 3 Begehungen im Jahr) realisierten wir auch, dass dies die feinen Badeplätze der Einheimischen waren. Wir wehrten uns für eine Veröffentlichung, um die Privatsphäre der Locals zu unterstützen. Die Plätze waren übrigens auch ohne Säuberungsaktionen immer blitz blank. Die Belagerungstechnik des industriellen Canyoning setzte der Idylle an der Boggera ein Ende. Die Problemantik heute: Zwei Anbieter belagern dieses Stück Tessin, als wäre es ihr Eigentum. Regelrechte Trampelpfade entstehen. Urbarmachung der Schlucht findet statt. Überall Seilstücke und festmontierte Affenschwänze zeugen vom industriellen Gebrauch. Fragt sich, wann die ersten Betonabsprungstellen montiert werden. Brüllen und johlen, die tägliche Invasion der Gummigestalten vertreiben die Einheimischen von ihren Badeplätzen.

Welche Verhaltensregeln ergeben sich? Wenn immer eine respektvolle Begegnung möglich: gemeinsam win - win Lösungen finden. Parkplatz und andere lokale Gegebenheiten berücksichtigen ist wohl Ehrensache, inklusive Cafe im Dorfbeizli. Behandle die Natur mit Respekt. Nimm wieder mit, was du bringst (auch Seilstücke sind Fremdkörper) Vermeide die Belagerungstechnik und versuche, die Nutzung von Gelände und Lebensraum grossräumig zu verteilen.

Für die Zukunft: Wünsche des Erstbegehers! Möglichst unberührte Landschaft vorzufinden, morgen und auch übermorgen. „Take what you bring!“. Bohrhaken sind notwendig, der Rest wird mitgenommen. Friedliche gemeinsame Nutzung, Canyoningfreie Wochenenden für lokale Badenixen. Diskretes und professionelles Verhalten erübrigt sich zu erwähnen. Respektvolle Begegnungen zwischen allen Beteiligten. Die Falle: Wird das Canyoning durch die Belagerungstechnik an einzelnen Orten zur Plage, liegt es auf der Hand, dass sich Kräfte formen, um der Bevölkerung und Natur Raum zum Atmen zu verschaffen. Ob wir etwelche canyoningfreie Zonen umgehen, hängt nicht zuletzt davon ab, wie extensiv ein Ort ge- oder übernutzt wird von einzelnen Anbietern. Wer ohnehin im ganzen Alpenraum Canyoning macht, kann eine Renaturierung einzelner Orte vielleicht nur unterstützen.

SANFT UND LANGFRISTIG STATT EXTENSIV UND KURZFRISTIG.

Daniel Zimmermann Bergführer, Canyonist aus erster Stunde.

Bitte anmelden oder registieren, um einen Kommentar abzugeben.